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AKKERMAN ALMEIDA ANIDO BIERMANN DEBUSSY DUARTE
GARCIA GUIMARAEZ HENZE MALATS MOZZANI PUJOL
RUIZ-PIPO SAGRERAS SANTORSOLA SEGOVIA STINGL TURINA
Jan AKKERMAN ( 1946 )
Der niederländische Gitarrist Jan Akkerman ist eines der wenigen "Wunderkinder" der europäischen Pop- und Jazzszene. Bereits mit zwölf Jahren nahm der 1946 in Amsterdam geborene Musiker seine erste Platte auf - eine Version des klassischen Themas "Exodus".
" Es ist das Schlimmste,
wenn man auf der Bühne sitzt
und sich selbst langweilt."
Bekannt
wurde er schließlich in den frühen siebziger Jahren weltweit als
Mitglied der holländischen Art-Rock-Band "Focus". Eine Gruppe, die
auf innovative Art und Weise Jazz-, Rock- und Pop-Elemente miteinander
verschmolz und eine Reihe hochkarätiger Alben aufnahm, bei
denen immer wieder eines auffällt: die ideenreiche
und breitgefächerte wie virtuose Gitarrenarbeit.
Stärker noch konnte Akkerman seinen gewachsenen musikalischen Horizont und seine gitarristischen Visionen als Solokünstler gegen Ende der 70-er Jahre verwirklichen. Die auf Atlantic erschienenen Solo-Alben zeigen ihn in einer künstlerischen Hochphase. Einzigartige harmonische Akkordverbindungen, virtuoses Single-Note-Spiel auf der E-Gitarre, aber immer auch Rückbesinnungen auf die klassische Gitarre prägen seine Kompositionen. Die 80-er Jahre brachten vor allem eine Menge Wirbel und Wechsel der Plattenfirmen mit und fast ebenso viele Versuche, sich musikalisch neu zu orientieren. Rock, Blues, Jazz, Pop - alles wurde von Akkerman während dieser Zeit einmal thematisiert und favorisiert. Eine ganz neue, aber dafür umso heißere Liebe entdeckte er vor gut fünf Jahren und lässt diese seitdem kaum noch aus den Augen: die akustische Steelstring.
Vor kurzem entstanden gleich zwei komplett solo und akustisch eingespielte CDs von Jan Akkerman: "Passion", verlegt beim niederländischen Roadrunner-Label, einer Plattenfirma, die sich sonst hauptsächlich dem harten Rock verschrieben hat, und "Live at the Priory", ein Konzert-Mitschnitt aus England, der allerdings nur über das Internet verkauft wurde.
Jan Akkerman spielt heute seine Solo-Konzerte ausschließlich auf seiner Lowden Steelstring mit Cutaway und Pickup/Preamp. Wir
nahmen die Gelegenheit nach einem Gastspiel auf den "Wieslocher Gitarrentagen" wahr, uns einmal mit dem Musiker zu unterhalten, der bereits so viele Höhen und Tiefen in diesem kurzlebigen Business miterleben konnte.
Über Jan Akkerman
Wer Jan Akkermans Gitarrenstil oder seine Kompositionen mit Worten erklären möchte, muss scheitern. Man könnte unendlich viele Worte wählen und würde dennoch nie alle Schattierungen seiner Emotionalität und seines Schaffens auch nur annähernd vermitteln können. Denn den Komponisten und Musiker Jan Akkerman muss man hören und fühlen. Der in Amsterdam geborene Sohn eines Marktkaufmannes erlernte bereits mit sieben Jahren das damals typische niederländische Instrument, das Akkordeon.
"Ich habe Tangos, Oper und Chanson zu spielen gelernt. Ich wusste schon damals, dass diese Kompositionen für mich sehr wichtig waren. Ich hätte mir jedoch nie träumen lassen, dass mein Zweitinstrument, die Gitarre, den Charakter in der Musik von Hunters, Focus oder Brainbox prägen würde. Obwohl ich bereits mit 12 Jahren meine erste Soloplatte einspielte, widmete ich mich danach erst einmal dem Studium der klassischen
Musik und der Instrumente Gitarre und Laute. Jahrelang spielte ich, gemanaged von meiner Mutter, als Session- und Studiomusiker mit den damals bekannten Bands der Niederlande zusammen."
Mit "The Hunters" hat Jan in den 60er Jahren den ersten großen Hit mit dem Titel "Russian Spye and I". 1968 gründet er mit dem Sänger Kaz Lux die Band "Brainbox".
"Brainbox war für mich wirklich wichtig, ich denke, sogar wichtiger als Focus. Brainbox war lebendig. Die Kompositionen, die ich mit Kaz schrieb, waren heiß und dynamisch. Wir waren eine richtige Rockband, ohne überflüssige Schnörkel."
1970 gründete Jan Akkerman mit Thijs van Leer die Band Focus. Jan ist zu diesem Zeitpunkt ohne Zweifel schon der bekannteste und am meisten imitierte Gitarrist der Niederlande. Mit seinem eigenen Gitarrenstil beeinflusste er viele Musiker, national wie international. Die größte Auszeichnung erhielt er jedoch 1973 von den Lesern der englischen Musikzeitung "Melody Maker", die ihn zum weltbesten Gitarristen kürte.
Es folgten noch viele Auszeichnungen dieser Art und viele goldene Schallplatten. Die Hits "Sylvia" und "Hocus Pocus" von Focus stürmten die europäischen und amerikanischen Charts. 1976 verlässt Jan die Band Focus, die sich kurz darauf auflöst, um sich mehr seinen Soloprojekten zu widmen. Er macht zwei Alben mit Kaz Lux, wovon die Platte "ELI" mit einem Edison Preis ausgezeichnet wird. Bevor er 1984 mit seinem 12. Soloalbum "From the Basement" an alte Brainboxzeiten anknüpft, folgen Produktionen mit Joachim Kühn, Michael Brecker und Klaus Ogermann, klassische Themen wie Concerto de Aranjuez über Funkjazz bis hin zum geradezu experimentell komponierten Jazz. 1985 folgt nochmals eine Focus Produktion mit Thijs van Leer, die aber nicht an alte Zeiten anknüpfen kann.
"Wenn man einmal die Chance hatte, eine Band wie Focus zu haben, die Geschichte geschrieben hat, so glaubt man, musikalisch alle Welten gelebt zu haben. Doch wenn ich heute nach den Soloalben zurückblicke, so halte ich die Periode nach Focus für die interessanteste, weil ich mir ab hier die Freiheit genommen habe, Stil- und Klangfarben zu ändern oder zu erneuern. Ich habe in fast 40 Jahren musikalischen Schaffens nie das gleiche gemacht. Ich habe nie gesagt, das ist Klassik, Rock oder Jazz. Es ist vielmehr eine Kraft in mir, die sagt: Du wirst weiterhin deine Gefühle, dein Leben in Musik ausdrücken können ! Mein Publikum gibt mir die Spannung, die Intensität sowie die Kreativität, die ich für all dieses brauche."
1990 traf Jan auf Miles Copeland, den Manager von Sting, der liebend gerne eine CD mit ihm produzieren wollte. Das Ergebnis war "The Noise of Art", ein kommerzieller und künstlerischer Erfolg. Man spürte einen inspirierten Jan Akkerman, der mit dem Titel "Prima Donna" erneut in die Hitparaden zurückkehrte. Dieses Projekt brachte den Saitenhelden den Medien zurück.
"Mit der Wiederveröffentlichung von 'Can´t stand noise' erfülle ich mir einen langersehnten Wunsch. Die CD beinhaltet vier zusätzliche Live Titel in bisher unveröffentlichter Interpretation aus dem Jahre 1993. Mit der ersten Veröffentlichung von 'Can´t stand noise' wurde der Grundstein für weitere Veröffentlichungen meiner Soloalben gelegt. Ich verstehe sie als meine ganz persönliche Retrospektive, die ich so meinen Freunden wieder zugänglich machen kann."
Laurindo ALMEIDA ( 1918 – 1945 )
(Laurindo José de Araujo Almeida Nobrega Neto)
Brasilianischer Gitarrist, Komponist und Arrangeur.
Geboren in Miracatú, São Paulo, Brasilien am 2. September 1917.
Gestorben in Los Angeles, California, USA am 26. Juli 1995.
Er war mit der kanadischen Sopranistin Deltra Eamon verheiratet.
Laurindo Almeidas erste Musik-Lehrerin war seine Mutter, eine Konzert-Pianistin. Aber die Gitarre seiner Schwester hatte mehr Anziehungskraft und so entschied er sich für dieses Instrument. Schon sehr früh war es ersichtlich, dass er ein großer Gitarrist werden würde. 1936 begann seine Karriere, als er sich für Auftritte auf dem brasilianischen Schiff ‘Cuyaba’ entschied. Mit diesem Schiff reiste er nach Europa und ließ sich dort die europäische Kultur gefallen, die ihn nachträglich beeinflusste. Den jungen Almeida muss ein Django Reinhardt Konzert in Paris sehr beeindruckt haben. Nach seiner Rückkehr in Brasilien arbeitete Almeida bei einem Radio-Sender Mayrink Veiga in Rio de Janeiro. Dort traf er auf Garoto, mit dem er das Gitarren Duo Cordas Quentes gründete. Dieses Duo hat viele Aufnahmen in den späten 30er eingespielt. 1947 tourte er durch die USA mit Carmen Mirandas Band und ließ sich in Hollywood als Film-Musiker und Konzert-Solist ( mit der Geigerin Elizabeth Waldo ) für eine Zeit nieder. Auch als Komponist für Film-Musiken machte er sich einen Namen. Später, da sein Interesse an Jazz-Musik nie verblasste, wurde er Mitglied von Stan Kentons Orchester, in dem er als Solist drei Jahre lang auftrat. Einige Jahre später ließ er sich endgültig in Los Angeles nieder und begann seine fantastische Schallplatten-Karriere.
Almeida hat 2 Oscars und 10 Grammies
gewonnen. Viele Musik-Kritiker halten ihn für ‘den’ Bossa Nova Pionier, der
das Genre lange vor Stan Getz & Charlie Byrd in den USA salonfähig machte.
Sie attestierten ihm ( zusammen mit Bud Shank ) eine gewisse “Brazilliance”
( Kunstwort aus Brazilian und brilliance ) in seinen Aufnahmen. Weitere wichtige
Stationen Almeidas Karriere waren : seine Aufnahmen von Gnattalis "Concerto
de Copacabana" im Jahr 1966 und Villa-Lobos "Guitar concerto",
wie auch all seine weltweiten Konzerte mit dem Modern Jazz Quartet in der Mitte
der 70er Jahre.
Laurindo Almeida war immer ein Gitarrist ‘ohne Grenzen’ ("a man without frontiers" wäre akkurater ). Als Teenager kämpfte er im Bürgerkrieg in São Paulo, und er hatte immer eine ausgeprägte politische Meinung. Diese Revoluzzer-Eigenart drückte er auch in seiner Musik aus. Er weigerte sich, auf eine bestimmte Stilrichtung ( klassische, brasilianische oder Jazz-Gitarre ) festlegen zu lassen – er spielte alles mit gleichem Erfolg.
Es ist leider enttäuschend
festzustellen, dass ein so großer Gitarrist in Brasilien fast unbekannt ist, wo
doch der Rest der Welt ( insbesondere in den USA und in Europa ) ihn als einen
der größten aller Zeiten in Erinnerung behält.
Sein Werk ist unglaublich : er komponierte Musik für über 800 Spielfilme & Fernseh-Serien und nahm zahlreiche LPs auf.
Maria Luisa ANIDO ( 1907 )
Maria Luisa Anido ( geb. 1907 ) ist eine der "Großen Damen" der Gitarre. Nach ihrem frühen Studium ( sie galt als Wunderkind ) bei Domingo Prat und Miguel Llobet gab sie ihr Debut 1918 in Buenos Aires, unterrichtete in ihrem Geburtsland Argentinien, machte zahlreiche Plattenaufnahmen - einige davon im Duo mit Miguel Llobet (um 1925) und konzertierte in vielen Ländern. Ihre häufigen Konzertreisen nach Russland zeugen von ihrer dortigen Popularität. 1986 übersiedelte sie nach Havanna um dort zu unterrichten. Heute lebt sie in Spanien.
Wolf BIERMANN ( 1936 )

Liedermacher
1936
15. November: Wolf Biermann wird in Hamburg als Sohn einer
Arbeiterfamilie geboren.
1943 Biermanns Vater wird in Auschwitz als Angehöriger des kommunistischen Widerstandes ermordet.
1950 Vertreter der Bundesrepublik Deutschland als Junger Pionier bei dem Weltjugendtreffen in Ost-Berlin.
1953 Übersiedlung in die DDR.
1955-1957 Studium der politischen Ökonomie an der Humboldt-Universität Berlin.
1957-1959 Nach dem Abbruch seines Studiums wird Biermann Regieassistent am Berliner Ensemble.
1959-1963 Studium der Philosophie und Mathematik an der Humboldt-Universität in Berlin.
1960 Bekanntschaft mit Hanns Eisler, der ihn unterstützt und fördert. Biermann beginnt Gedichte zu schreiben und Lieder zu komponieren.
1961-1963 Gründung und Aufbau des Berliner Arbeiter- und Studententheaters (b.a.t.). Biermanns Inszenierung des Stückes "Berliner Brautgang" über den Mauerbau wird nicht zur Aufführung freigegeben. Das Theater wird 1963 wieder geschossen.
1962 Druck der ersten Gedichte in der Anthologie "Liebesgedichte".
Erster öffentlicher Auftritt bei einem Lyrikabend in der Deutschen Akademie der Künste.
1963 Nach einer zweijährigen Zeit als Kandidat wird die Aufnahme Biermanns in die SED abgelehnt.
Beginn der Freundschaft mit Robert Havemann.
1964 Gastspiel in dem Ost-Berliner Kabarett "Die Distel". Danach beginnt seine erste Gastspielreise durch die Bundesrepublik Deutschland auf Einladung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS).
1965 Nachdem in der Bundesrepublik Deutschland sein Gedichtband "Die Drahtharfe" und seine erste Langspielplatte "Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)" erscheint, erhält Biermann Auftritts- und Publikationsverbot durch die DDR-Behörden. Man wirft Biermann "Klassenverrat" und "Obszönität" vor.
1968 In der Bundesrepublik Deutschland wird sein Buch "Mit Marx- und Engelszungen" veröffentlicht.
1969 In der Bundesrepublik Deutschland erscheint die Langspielplatte "Chausseestraße 131". Das dafür verliehene Preisgeld des Fontane-Preises der Stadt West-Berlin spendet Biermann dem Anwalt der Außerparlamentarischen Opposition (APO), Horst Mahler.
1976 September: Nach elf Jahren Berufsverbot erster Auftritt in der DDR in der Prenzlauer Nikolaikirche.
13. November: Mit einem Konzert in Köln beginnt eine Tournee durch die Bundesrepublik.
16. November: Das Politbüro der DDR beschließt die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Begründet wird die Entscheidung damit, dass sich sein Programm in der Bundesrepublik gegen die DDR und den Sozialismus richte.
17. November: In einer Petition von dreizehn führenden Intellektuellen der DDR wird gegen die Ausbürgerung protestiert.
ab 1977 Biermann unternimmt erste Tourneen durch westeuropäische Länder. In seinen Liedern rechnet er einerseits mit der DDR ab und bekundet andererseits immer wieder seine sozialistische Einstellung.
1980 Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises für Chanson.
1982 April: Biermann erhält eine einmalige Einreiseerlaubnis in die DDR und besucht seinen totkranken Freund Robert Havemann in Ost-Berlin.
1983 Gastdozent an der Ohio State University/USA.
1989 Dezember: Biermann hält nach 25 Jahren sein erstes Konzert in der DDR in Leipzig ab. Er wird "als Mensch gewordener Mythos" und als Legende bezeichnet und als solcher vor allem von den älteren DDR-Bürgern empfangen.
ab 1990 Mit Aufsätzen und Reden mischt sich Biermann in die Tagespolitik ein und beteiligt sich u.a. an der Besetzung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit.
1991 In seiner Dankesrede für die Verleihung des Georg-Büchner-Preises attackiert Biermann die Oppositionsgruppen der DDR sie seien "von Stasi-Metastasen zerfressen".
1993-1995 Heinrich-Heine-Gastprofessor an der Düsseldorfer Universität.
1994 Biermann greift öffentlich den PDS-Politiker Gregor Gysi und den Schriftsteller Stefan Heym an.
1996 Veröffentlichung der CD "Süßes Leben - saures Leben" mit siebzehn neuen Liedern.
Juni: Biermann ist Mitbegründer des Vereins "Bürgerbüro-e.V.". Der Verein hilft Menschen, die durch Willkürakte der DDR fortdauernd geschädigt wurden.
1998 Verleihung des Nationalpreises der Deutschen Nationalstiftung. Erscheinen der Live-Doppel-CD: "Brecht-Deine Nachgeborenen".
1999 Erscheinen der CD: "Paradies uff Erden. Ein Berliner Bilderbogen".
Claude DEBUSSY ( 1862-1918 )

Französischer Pianist und Komponist. Man berichtet,
dass
Claude Debussy gerne für die Gitarre geschrieben hätte und sich deshalb an
Miguel Llobet wandte, um das Instrument besser kennen zu lernen. Unglücklicherweise
war Miguel Llobet so beeindruckt, daß er es nicht wagte, sich bei dem Meister
vorzustellen.
Leben:
Claude (-Achille) Debussy wurde am 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye geboren und ist am 25. März 1918 gestorben. Er erhielt Unterricht bei einer Klavierschülerin von Chopin. Ab 1873 studierte er am Pariser Konservatorium. Durch Gounods Fürsprache erhielt er 1884 den Rompreis.
Debussy unternahm zahlreiche Auslandsreisen, auf denen er wesentliche musikalische Eindrücke empfing. Sein Freundeskreis in Paris bestand hauptsächlich aus gleichgesinnten Musikern, Malern und Dichtern. Debussy war in seinen letzten Lebensjahren krebskrank.
Claude Debussy gilt neben Maurice Ravel als bedeutendster Komponist des französischen Impressionismus.
Werke:
Klaviermusik: Suite bergamasque (1890-1905), L isle joyeuse (1904), Childrens corner (1906-1908), Estampes (1903), Images (1905-1907), 24 Préludes (1910-1913), 12 Études (1915), verschiedene Werke für Klavier vierhändig.
Kammermusik: Streichquartett (1893); Rhapsodie für Saxophon und Klavier (1905), Rhapsodie für Klarinette und Klavier (1909-1910), Syrinx für Soloflöte (1912), Sonate für Cello und Klavier (1915), Trio für Flöte , Bratsche und Harfe (1916), Sonate für Violine und Klavier (1917)
Orchesterwerke: Sinfonische Suite Frühling (1887), Prélude à l après-midi d un faune (1894), 3 Nocturnes (1899), La Mer (1905), Images pour orchestre (1912), verschiedene anderere Werke
Vokalwerke: Verschiedene Lieder meist nach zeitgenössischen Dichtern.
3 Kantaten
Bühnenwerke:
Ballette: Jeux ( 1912 ), Boîte à joujoux ( 1913 ), ), Prélude à l après-midi d un faune ( 1912, nach dem Orchesterwerk von 1894 )
Schauspielmusik: Das Martyrium des heiligen Sebastian ( 1911 )
Opern: Pelléas et Mélisande ( 1892-1902 )
John W. DUARTE ( 1919 )
John W. Duarte ist ein englischer Gitarrist, Lehrer und Komponist, er schrieb seine "English Suite" auf Wunsch von Segovia. Originalthemen werden mit Volkslied-Themen verschmolzen: "Low down in the Broom" (im Mittelteil des Prelude), "The Cuckoo" (Hauptthema von Folk Song) und die "Ballad of Robin Hood" (Mittelteil des Round Dance). "Sua cosa" (His thing) ist eine Hommage an den großen Jazz-Gitarristen Wes Montgomery, in dem er einerseits dessen Stil, ausgehend von Montgomerys Stück "Mia Cosa" (My thing) reflektiert, andererseits an Duartes eigene Wurzeln als Jazz-Musiker erinnert.
Gerald GARCIA ( 1949 )
Gerald Garcia wurde 1949 in Hongkong geboren. 1971 promovierte er als Chemiker an der Oxford-Universität, wechselte aber zur Gitarre und gab sein Debüt acht Jahre später in London. Durch sein vielseitiges Talent beschäftigt er sich mit vielen Aspekten des Musikmachens. So unterrichtet er, lehrt und ist oft auch als Solist oder in Ensembles unterwegs.
Joao GUIMARAEZ (1883-1947)
Der Brasilianische Gitarrist Joao Guimaraez, auch unter seinem Pseudonym "Pernambuco" (Name seiner Geburtsstadt) bekannt, bleibt uns in bester Erinnerung mit seinem "Sons de Carrilhões" (Klang der Glocken), welches im Stil des Maxixe, einem volkstümlichen brasilianischen Tanz des 19. Jahrhunderts, einer Verschmelzung von schwarzer und portugiesischer Kultur, geschrieben ist. Dieses Stück wird fälschlicherweise als "Chôro" Heitor Villa-Lobos zugeschrieben.
Bruno HENZE ( 1900 - 1978 )
* 12.05.1900 Berlin,
† 10.02.1978 Berlin,
Komponist.
Henze dirigierte und
spielte an verschiedenen Berliner Theatern, u. a. war er Gitarrist und Harfenist
an den Reinhardt-Bühnen in Berlin. Er gilt als Wegbereiter des künstlerischen
Gitarrenspiels und Begründer der Berliner Gitarrenschule, er verfasste u. a.
das verbreitete Lehrbuch "Das Gitarrespiel". Von 1959 bis 1978 wohnte
er in der Yorckstraße 63, woran heute eine Gedenktafel erinnert.
In Berlin war es Bruno
Henze, der 1932 das "Berliner Gitarrenquartett" mit Willi Schlinske
(1.Terzgitarre), Gerhard Tucholski (2.Terzgitarre), Erich Bürger (Primgitarre) gründete.
Henze übernahm
selbst die Quintbassgitarre
und schrieb unzählige
Arrangements für dieses Quartett. Bis etwa 1949 gaben sie regelmäßig
Konzerte und machten Rundfunkaufnahmen. Nach dem Ausscheiden von Tucholski
bildeten sie das "Berliner Gitarrentrio" (etwa 1949-53). Auf Anregung
von Bruno Henze, der auch selbst eine Suite in d-Moll (op.100) für
Terz-, Prim- und Quintbassgitarre
komponierte, schrieben mehrere bekannte Komponisten in diesem Zeitraum Werke
unter Verwendung dieser besonderen Gitarren.
In Barcelona geborener, katalanischer Komponist.
Luigi MOZZANI
( 1869-1943 )
Gitarrist, Geigenfabrikant und italienischer Komponist.
Emilio PUJOL ( 1886 - 1980 )
Emilio Pujol war Schüler und "Anhänger" von Francisco Tárrega, dem Begründer der Gitarren-Renaissance des 20. Jahrhunderts. Er machte eine internationale Karriere als Solist, die wahrscheinlich noch erfolgreicher gewesen wäre, hätte er nicht im Schatten von Andrés Segovia gelebt. Er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in seinem Geburtsland Spanien, wo er einen sehr guten Ruf als Lehrer, Musikwissenschaftler und Komponist für Gitarre erwarb. Die "quirlige" Aktivität der ausgewählten Etüden wird schon im Titel deutlich: "El abejorro", die Hummel.
Antonio RUIZ-PIPO ( 1934 )
Antonio Ruiz-Pipó ein spanischer Komponist-Pianist-Pädagoge, der zur Zeit in Paris lebt und arbeitet. Er schrieb eine Anzahl von Werken für Gitarre, von denen wohl "Canción y Danza No. 1" mit Abstand das bekannteste ist; die bitter-süße Nostalgie des "Canción" (Lied) wird durch den mitreißenden Rhythmus des "Danza" kontrastiert. Da Ruiz-Pipó in seiner Jugend Gitarre spielte, sind seine Stücke immer angenehm zu spielen und bereiten großes Hörvergnügen.
Julio Salvador
SAGRERAS ( 1879-1942 )
Gitarrist, Pädagoge und argentinischer Komponist. Seine Eltern waren Gitarristen, die ihn früh das Instrument lehrten. Julio nimmt an den Konzerten bereits Alter von sechs Jahren teil. Mit 12 Jahren nimmt er Unterricht im Klavierspiel und im Komponieren am Konservatorium. Er schreitet schnell fort und wird Gitarrenprofessor an der Académia de Bellas Artes. In Buenos Aires lernt er den Herausgeber Francisco Nuñez kennen, der etwa hundert seiner Kompositionen veröffentlichen wird. Im Jahre 1905 gründet Julio Sagreras seine eigene Schule : L’Academia de Guitarra. Um 1925 gibt Sagreras zahlreiche Konzerte und nimmt an Rundfunkaufnahmen teil.
Guido SANTORSOLA ( 1904 - 1994 )
Guido Santórsola war ein uruguayischer Geiger, Dirigent und Komponist italienischer Herkunft. In Südamerika lebend, war es für ihn fast unmöglich nicht für Gitarre zu schreiben. Nach dem 2. Weltkrieg fügte er das Zwölftonsystem seinem latein-amerikanischen Kompositionsprinzip hinzu, wie es in seinem Konzert für zwei Gitarren und Orchester deutlich wird. Zuvor war sein Stil jedoch neoromantisch - zu hören in der "Suite Antigua" ( Suite im alten Stil ), aus welcher das wunderschöne "Prelude" häufig als Einzelstück gespielt wird.
Andres SEGOVIA (1893-1987)

Ein großer Gitarrist des 20.
Jahrhunderts
"So unerwartet sie einsetzte, so
unerwartete Ausmaße hat sie angenommen: Die Wiederentdeckung der Gitarre, die
den vergangenen Jahrzehnten zu einem wahren Triumphzug und zum Höhepunkt ihrer
bisherigen Geschichte wurde. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts schien die
Gitarre dem Konzertsaal so gut wie verloren und nur noch als Folkloreinstrument
respektiert zu werden. Erst das Engagement eines einzelnen Musikers, des
Spaniers Andres Segovia, entriss das Instrument samt seiner reichen Literatur
der Verkennung und gewann es der Kunstmusik zurück. Es war das Signal zu einer
ungeahnten Verbreitung und Beliebtheit über Lieder- und Gattungsgrenzen hinweg.
Es war zugleich aber auch die schönste Rehabilitierung der Gitarre. Denn
Jahrhunderte lang hatte sie einst eine wichtige Rolle in der abendländischen
Musik gespielt, die mit dieser Renaissance im Grunde nur ihre Fortsetzung
fand"
In der Tat unzähligen Adepten und Bewunderern der klassischen Gitarre galt und gilt immer noch Andres Segovia als bedeutender Musiker unseres Jahrhunderts und als einer der größten Gitarristen in der Geschichte. Ohne ihn habe sich die Gitarre nicht mehr aus der Talsohle, in welche sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgestiegen war, zu einer neuen glanzvollen und ungeahnten Höhe wieder erheben können.
Die Gitarre erlebte im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche Höhen und Tiefen; seit 1600 wiederholt sich das Phänomen von Aufstieg und Abstieg des Instrumentes in jedem Jahrhundert. Von einer echten Renaissance der Gitarre kann freilich keine Rede sein, denn in den traditionsreichen Liedern des Instrumentes fiel sie niemals der Vergessenheit anheim. Von Garcia Dionysio Aguado (1784-1849) führte über Julian Arcas (1832-1882) eine Verbindungslinie zu Francisco Tarrega (1852-1909) und Miguel Llobet (1878-1938) auf deren Arbeiten und Wirken Segovia aufbauen durfte.
Segovia verdankte Llobet, mit dem er freundschaftlichen Verkehr pflegte, entscheidende Anregungen für seine Gitarrentechnik. Auch das Spiel von Tarrega, einem faszinierenden Virtuosen, der auf eine Konzertkarriere verzichten musste, weil seine Wimpern, die zum Augapfel statt nach außen wuchsen, ständige ärztliche Betreuung erzwangen, erlebte er unmittelbar. Eine Photographie Tarregas, umringt von Schülern und Bewunderern, zeigt unter ihnen auch Andres Segovia.
Llobet und Tarrega sind der Samen, aus
dem die Frucht Segovia als einem der bedeutendsten Repräsentanten der Gitarre
des 20. Jahrhunderts hervorging. Sein Genie als Interpret und Gitarrenvirtuose
von unvergleichlichem Rang ist fast unumstritten. Seinem Instrument hat er Würde
und Ansehen im Musikleben unserer Zeit erspielt. Über 60 Jahre lang bereiste er
die gesamte Welt, gab jährlich mehr als 100 Konzerte, nahm ca. 30
Langspielplatten für die Firma DECCA auf und wirkte als Spiritus Rector vieler
Solisten und Pädagogen. Für Berufsgitarristen von höchstem Niveau richtete er
die Meisterklassen in Santiago de Compostela, an der Accademia Musicale Chigiana
in Siena/Italien und an der University of California in Berkeley/USA ein.
Obwohl die Zahl der über Segovia veröffentlichten Artikel bereits Legion sind, herrschen höchste Verwirrung und Unklarheit über sein exaktes Geburtsdatum. Zuth gab als Geburtsdatum 1894 an (Handbuch der Laute und Gitarre, Wien 1926 - 28, S. 253), Btwo nannte sogar den 28. Februar 1893 (The Guitar & Mandolin, 2. erw. Aufl. London 1954, S. 325), Bellow (The Illustrated History of the Guitar, 1970, S. 191), J. Klier/I. Hacker-Klier (Die Gitarre, ein Instrument und seine Geschichte, Bad Schussenried 1980, S. 181), Evans (Guitars - Music, History, Construction and Players, from the Renaissance to Rock, 1979, S. 162) und die deutsche Fachzeitschrift "Gitarre + Laute" (Jahrgang II/1980, Heft 2 März/April, S. 2) publizierten den 21. Februar 1893 als Geburtsdatum. Die Brockhaus-Enzyklopädie (17. Bd., 17. Aufl. Wiesbaden 1973, S. 252) , Josef Powrozniak (Gitarren-Lexikon, 1. Aufl. Berlin 1979, S. 133) und H. Leeb (Von Segovia, Pujol und Llobet, in: Gitarre + Laute, Jahrgang II/1980, Heft 6 November/Dezember, S. 32) meinten, der Geburtstag von Segovia sei am 17.02.1893; M. J. Summerfield (The Classical Guitar, its Evolution and its Players since 1800, Newcastle 1982, S. 197) wies den 22. Februar 1893 als Geburtsdatum aus.
Segovia selbst behauptete (im Widerspruch zur offiziellen Taufeintragung):
"Die Wahrheit ist, dass ich in
Linares am 21. Tag des Februars im Jahre 1893 in diese Welt kam." (vgl. nur
Segovia/Mendoza, Mein Gitarrenbuch - Eine Anleitung für das Gitarrespiel, aus
dem Engl. von Anton Stingl, Verlag Herder, Freiburg 1980, S. 10).
Obgleich vor jedem ein Bild dessen, was er werden soll, steht, und Chesterton spottet, ein Mann, der nicht eine Art Traumbild seiner Vollendung in sich trage, sei genauso monströs wie einer ohne Nase, ist es doch nur wenigen vergönnt, ihr Leben schon früh einem einzigen Ziel, einer einzigen "heiligen" Sache zu weihen. Segovia behauptete jedoch gerne, bereits als Kind habe er seine ganze Zukunft ausschließlich der Gitarre gewidmet; sein Traumbild zeigte ihm ihn als Apostel des schönsten Instruments, dem er vor einem möglichst großen Publikum zur verdienten Wertschätzung verhelfen würde.
Seine Kindheit erlebt Segovia, von künstlerischer Tradition umgeben, in Granada, der sagenumwobenen andalusischen Stadt der maurischen Könige. Die ersten musikalischen Erfahrungen sammelt er in der Begegnung mit Klavier-, Violin- und Violoncello-Unterricht. Von seinen Musiklehrern wird er aber nicht angezogen, sondern abgestoßen. Der Klang der Flamenco-Gitarre, die "auch in rauen Hürden ihren melancholischen und schönen Klang behält", fasziniert ihn so, dass er gegen den Willen seines Onkels, dem er anvertraut ist, eine Gitarre beim Gitarrenbauer Benito Ferrer mit heimlich zusammengesparten Taschengeld erwirbt. Er sucht die Gesellschaft der besten Flamenco-Spieler und lernt von ihnen. Seine Überzeugung, dass ein schönes Instrument eine reiche und edle Literatur besitzen müsste, wächst ständig. Was er findet, sind einige wenige Werke von Arcas, Sor und Tarrega. Ohne Lehrer und Musikschulunterricht ist er ganz auf seine nächtlichen Studien einer Solfeggien-Methode sowie einer musiktheoretischen Abhandlung angewiesen. Alles geschieht gegen den erklärten Willen seiner Familie.
Segovia ist fast 17 Jahre und nicht - wie immer wieder behauptet wurde - erst 14 Jahre alt, als er 1910 im Centro Artistico in Granada sein erstes öffentliches Konzert mit einem Programm kurzer Originalwerke, Transkription von Tarrega und eigenen kleinen Komposition gibt. Er schickt sich an, seinen Traum einer 'Welteroberung' mit der Gitarre zu verwirklichen. Die Situation der klassischen Gitarre, die er vorfindet, ist aber alles andere als rosig. Die großen klassischen Komponisten hatten sich mit ihr nicht beschäftigt. Die musikalische Evolution vollzog sich wesentlich über das Klavier und immer gigantischer werdende Orchester. Die Gitarre lebt am Rande des musikalischen Geschehens. Die ersten neuen Virtuosen, die nach dem Abstieg der Gitarre in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder auftauchen - wie Tarrega und Llobet - wirken in diesem Kontext auf das weitere Publikum seltsam und exotisch. Andererseits sammeln sich um die neuen Virtuosen, insbesondere um Tarrega, regelrechte Gitarren-Fanatiker, die den Anschein erwecken, dass sie in nahezu blinder Manie mehr einem Gitarren-Kult frönen als die Musik lieben, und die das Werk ihres Meisters Tarregas eifersüchtig wie ein heiliges Geheimnis hüten. Segovia schilderte in seinen Erinnerungen seine deprimierende Begegnung mit einem Schüler Tarregas in der Werkstätte von Manuel Ramirez. Nach dem enttäuschenden Vorspiel in den Tarregaphoren gibt Segovia schüchtern aber hoffnungsvoll seiner Bitte Ausdruck, ihm zu erlauben, von den noch unveröffentlichten Transkription Tarregas, "einem eifersüchtig gehüteten Schatz", Abschriften machen zu dürfen, was ihm mit allen erdenkbaren Ausflüchten verweigert wird.
Auch die Reaktion des Publikums auf
seine ersten Konzerte sind keinesfalls enthusiastisch, eher gleichgültig, verständnislos
und geradezu feindlich. Ein junges Mitglied der Madrider
Ateneo-Konzertgesellschaft berichtet 1913 über seine Premiere in Spaniens
Hauptstadt:
"Über das Gitarrenkonzert kann ich
nur wenig erzählen, weil ich nicht die Geduld aufbringen konnte, bis zum Ende
da zu bleiben. Dieser junge Mann will offenbar die dionysische Natur des
Instrumentes in eine apollinische verwandeln. Die Gitarre gehört zur
leidenschaftlichen Exaltiertheit der andalusischen Folklore, nicht aber zur
musikalischen Ordnung, Präzision, Logik und nur ein Verrückter kann daran
denken, die Grenzen, die beide Welten trennen, zu überschreiten. 0, dass doch
die Götter seine Arroganz züchtigen mögen, wie sie Marcias und Mycenus
bestraft haben; aber, um die Wahrheit zu sagen, er verdient nicht ihre
glorreichen Leiden, sondern nur Schweigen und Vergessen..."
Und im Brief eines Freundes oder Schülers
von Tarrega, gerichtet an einen Pater Cortes, heisst es:
"...Im Ateneo hörte ich vor
einigen Wochen einen jungen andalusischen Gitarristen, dessen richtigen Namen
ich nicht kenne, der aber den Namen Segovia angenommen haben muss um größere
Aufmerksamkeit zu erregen. Er spielte ein geschmackloses Programm, in welchem er
neben den Transkription des Meisters (Tarrega), bei deren Interpretation er sich
überdies unverzeihliche Freiheiten herausnahm, die Stirn hatte, eigene (Transkription)
zu spielen. Seine Gelassenheit und Selbstsicherheit haben das Publikum überrascht
und geblendet... und nach anfänglicher Zurückhaltung haben sie ihm seinen
Applaus gegeben. Dies war aber kein spontaner Erfolg, und schon gar kein
berechtigter... Zusammenfassend kann ich sagen, dass er nicht den geringsten
Schimmer von der heiligen Schule unseres geliebten Tarrega hat. Bereits auf den
ersten Blick kann man seine äußerst achtlose Handhaltung erkennen, und wenn er
schnelle und saubere Läufe in schwierigen Passagen zustandebringt, dann nicht
dank der Beachtung der korrekten Regeln, sondern nur aufgrund irgendeiner
fehlbaren Intuition. Schließlich, lieber Vater, spielt er mit den Fingernägeln,
das ist das Schlimmste."
Die Wirklichkeit zeigt so - entgegen der Legende, die um alle Konzerte Segovias phantasievolle, rauschende Erfolge rankt, - dass Segovia, dessen Name im Laufe des 20. Jahrhunderts ein Synonym für die klassische Gitarre wurde, über ein Jahrzehnt lang für seinen Durchbruch zu kämpfen hatte. Nur die Entschiedenheit, alles in die Waagschale zu werfen, seine Bereitschaft, das Risiko des ihm so oft in den frühen Jahren vorausgesagten Scheiterns in Kauf zu nehmen, die Opferbereitschaft und immerwährende Liebe zur Gitarre, schaffen das außergewöhnliche Phänomen.
Nach und nach konzertiert er mit wachsendem Erfolg in den meisten Städten Spaniens, u.a. auch als Gast Llobets in Barcelona, wo er gleich drei Konzerte gibt.
1919 arrangiert der damals bekannte
Konzertveranstalter Quesada für Segovia eine Konzerttournee durch Süd- und
Mittelamerika und 1920, zehn Jahre nach seinem ersten Konzert, wird ihm die große
nationale Ehre zuteil, vor der spanischen Königin Victoria in deren Madrider
Palast spielen zu dürfen. Die Zeit ist reif für Segovias Siegeszug durch die
großen Städte Europas, wo er von 1920-1935 fast überall konzertieren sollte.
In Deutschland tritt er erstmals 1924 auf. Im gleichen Jahr gastiert er in
London und findet auch sein triumphales Pariser Debüt statt. Die Anwesenheit so
wichtiger und einflussreicher Persönlichkeiten wie Manuel de Falla, Paul Dukas,
Joaquin Nin, Albert Roussel, Vincent d'Indy, Miguel de Unamuno u.a. lässt
keinen Raum mehr für Geringschätzung, Ironie oder Gleichgültigkeit. Segovias
Gitarre füllt den Riesensaal bis in den letzten Winkel hinein mit Wohllaut und
erzählt poetische Geschichten. Mit vollendetem klanglichen Zauber singt seine
Gitarre ihre Kantilenen und führt über die alten Klassiker der
Gitarrenliteratur zu Werktranskription der großen Komponisten, alles mit großem
romantischem Ton und agogischen Eigenheiten seiner "spätromantischen"
Interpretationsweise. Die Kunst Segovias ist bereits von dem magischen Glanz
gekennzeichnet, der ihr Hauptmerkmal blieb. Die Begeisterung des Pariser
Publikums scheint grenzenlos.
Sein brillantes Pariser Debüt 1924 ist
das zentrale Ereignis im künstlerischen Leben von Segovia, welches fortan
seinen sich ständig mehrenden Weltruhm begründet. Bis zu seinem Tode gibt es
nahezu kein Land mehr, das Segovia nicht als ein das Loblied der Gitarre
preisender Apostel bereist hätte. Noch 1982 konzertiert Segovia in Deutschland.
Im hohen Alter gestaltet er immer noch jenen herrlichen Gitarren-Ton zu einem
musikalischen Erlebnis. Seine technischen Fähigkeiten sind zuletzt, gemessen an
seiner eigenen vergangenen Größe, leider deutlich gemindert und auch sein Gedächtnis
lässt nach. Mit Bedauern und Trauer las man in Konzertberichten, es habe einen
signifikanten Unterschied zwischen dem Programm und seinem wirklichem Vortrag
gegeben. Segovia vermische verschiedene Werkteile zu neuen Werken. Die Aura des
Maestro ist aber ungebrochen, seine Persönlichkeit nach wie vor beeindruckend.
Bis heute ist im 20. Jahrhundert kein zweiter Konzertgitarrist hervorgetreten,
der das Publikum so magnetisch anzieht, wie es Segovia vermochte.
Nach dem Erlebnis mit dem unbekannten Tarrega-Schüler, der ihm den Zugang zu dem Transkription-Schatz des Meisters verweigerte, war es Segovias sehnlichster Wunsch, große Komponisten, wie z.B. Turina und de Falla, die noch keinen nahen Bezug zur Gitarre hatten, zu inspirieren und ihnen als Führer in das verwickelte Labyrinth der Gitarrentechnik zu dienen. Der subtile und vielfältige Klangreichtum der Gitarre sollte sie verführen, für das Instrument zu schreiben. Segovia fühlt und erkennt, dass die Gitarre ohne eine gültige Originalliteratur, ohne ein ausreichendes und wertvolles Repertoire sich auf die Dauer nicht durchsetzen könne. In den Jahren und Jahrzehnten nach seinem Pariser Debüt 1924 hat er zahlreiche Komponisten angeregt, neue Gitarrenwerke zu schreiben, u.a.:
Mario Castelnuovo-Tedesco, Darius Milhaud, Federico Moreno Torroba, Manuel M. Ponce, Joaquin Rodrigo, Albert Roussel, Alexandre Tansman, Joaquin Turina und Heitor Villa-Lobos.
In London spielt er an 12. November 1952
den Gitarrenpart bei der Uraufführung des neuen Konzerts für Gitarre und
Orchester von Villa-Lobos und am 27. Oktober 1953 den Gitarrenpart bei der
Uraufführung des neuen Konzerts für Gitarre und Orchester von
Castelnuovo-Tedesco.
Seit den Achtziger Jahren wird Segovias Rolle für die Gitarre zunehmend kritisch betrachtet.
Ruggero Chiesa, Herausgeber und Chefredakteur der renommierten italienischen Fachzeitschrift "il Fronimo" etwa beklagt, dass zwischen 1920 und 1940 "die große Gelegenheit für eine repräsentative und eindrucksvolle Gitarrenliteratur" versäumt worden sei. Die Komponisten hätten sich nicht geweigert, für die Gitarre zu schreiben, den Interpreten dieser Epoche habe aber "das Gefühl für die sich formierende kulturelle Erneuerung" gefehlt. Chiesa meint dann allerdings, dass dieser Vorwurf mehr die Mit- und Vorstreiter Segovias - etwa Pujol und Llobet - treffe.
Wolf Moser widerspricht im Kern und
behauptet, zwar sei das Gitarrenrepertoire des 20.Jahrhunderts zweifelsfrei überwiegend
von Segovia beeinflusst, letzterer habe aber eben so wenig wie z. B. Pujol,
Llobet, Sainz de la Maza oder Anido das Interpretenformat gehabt, das die großen
Komponisten angezogen hätte. Die Gitarristen hätten das Repertoire, welches
ihre interpretatorischen Leistungen verdienten. Segovia habe auch oft gelogen
und die wahre Gitarrengeschichte verfälscht.
Ein weiterer Schatten fällt auf
Segovias verhängnisvolle Rolle als Herausgeber seines Repertoires, die eine
gerechte Würdigung nicht verschweigen darf. Brian Jeffery hat nachgewiesen,
dass Segovia - ohne Er1äuterung und Begründung - den Urtext von Sor weitgehend
veränderte, und damit die von einem Herausgeber zu beachtende Sorgfalt
unterschritt. Als Fazit schreibt Jeffery:
"...Die Minimalanforderungen an
Ausgaben, auch angesichts der Zeit, in der die Sor-Ausgabe entstanden ist, sind
in der vorliegenden Ausgabe keineswegs erreicht und Studenten, Lehrer und Prüfer
haben ein Recht, das zu erfahren. Leute, die heute noch diese Ausgabe im
Unterricht, bei Prüfungen und Wettbewerben benutzen, haben etwas sehr Dubioses
in Besitz und man sollte sicherlich darüber nachdenken, ob dieser Brauch
fortgesetzt werden soll."
Rätselhaft ist endlich Segovias Beitrag zu dem Verwirrspiel um Manuel Ponce's "Suite Antica". Segovia hatte bei seinen Aufführungen dieses Werkes als Komponisten nicht M. Ponce, sondern zunächst Johann Sebastian Bach und später Sylvius Leopold Weiss ausgegeben.
In einem Interview gibt Alice Artzt die näheren Umstände, welche sie von gut unterrichteten Kreisen aus nächster Umgebung Segovias erfahren habe, preis.
Im Rahmen seiner Anstrengungen um die
Erweiterung des Gitarre-Repertoire bat Segovia, angeregt von dem Violinisten
Fritz Kreisler, der in Paris Eigenkomposition als Werke von Barockmeistern
ausgab, um sie den Vorurteilen kleinkarierter Kritiker zu entziehen, den mit ihm
befreundeten Komponisten Ponce ein Barock-Werk für Gitarre zu schreiben, so wie
es Bach geschrieben hätte. Ponce schrieb die "Suite Antica", die
Segovia eine ganze Zeit lang als Suite von Bach aufführte, bis eines Tages bei
einem Konzert in der Carnegie Hall eine bedeutende Bach-Spezialistin, Wanda
Landowska, diesen Betrug entlarvte. Segovia sah ein, dass die Täuschung keine
allzu gute Idee war. Trotzdem wollte er weder den Spaß noch das hübsche
Barock-Werk aufgeben. Er und Ponce zogen ein Musiklexikon zu Rate, um
herauszufinden, ob es nicht einen hervorragenden Lautenisten aus der Zeit Bachs
gebe, dessen Werke verloren seien. So verfielen sie auf Sylvius Leopold Weiss,
der damals noch völlig unbekannt war.
Auf Anraten Segovias entwickelte und
vervollkommnete 1947 Albert Augustine (1900 - 1967) sein Verfahren, aus Nylon
Saiten herzustellen. Nylonsaiten, preiswerter, beständiger und klanglich
exquisiter als Darmsaiten, haben sich seitdem fast überall
durchgesetzt.
Mit Orden, Ehrungen und Mitgliedschaften
wurde der Maestro regelrecht überhäuft. Der spanische König ernannte ihn zum
Marquis von Salobrena; die spanischen Städte Linares, Granada und Jaen
verliehen ihm die Ehrenbürgerschaft und nahezu ein Dutzend Universitäten,
darunter auch Oxford, den Dr. honoris causa. Am 11. März 1979 gab Segovia für
den amerikanischen Präsidenten Carter ein Rezital.
Nach seinem so überaus erfolgreichen Leben, während dem es gelang, die Konzertsäle - hoffentlich für längere Zeit - für die Gitarre zurückzuerobern, verstarb Andres Segovia am 2. Juni 1987 in Madrid.
Anton STINGL ( 1908 – 2000 )
Der Gitarrist und Komponist Anton Stingl ( 25.1.1908 - 6.4.2000 ), ein Pionier der deutschen Gitarristik, verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit am 6.4.2000 im Alter von 92 Jahren in Freiburg. Anton Stingl, u.a. von 1934 bis 1942 Mitglied des Freiburger Kammertrios für alte Musik als Gitarrist, Lautenist und Gambist, beim Südwestfunk und an der Freiburger Musikhochschule tätig, seit 1976 Professor, hatte 1955 den Gitarrenpart in "Le marteau sans maître" von Pierre Boulez uraufgeführt.
Joaquin TURINA (1882 - 1949)
Als Bürger von Sevilla war Joaquin Turina bereits, bevor er nach Madrid reiste, in Spanien bekannt. Dort lernte er Manuel de Falla kennen und wurde weiter durch die vorherrschenden Strömungen der Landes-Musik beeinflusst. 1914 studierte er in Paris an der Schola cantorum. Nach seiner Rückkehr in Madrid machte er konsequent Karriere und ließ sich nicht durch das politische Umfeld ( Tage der Republik ) ablenken.
Orchestrale Musik
1913 errang Turina Erfolg mit seinem symphonischen Gedicht : poem Le procesión del Rocio, einem Opus, das als populär bezeichnet werden kann ( mit den späteren Danzas fantásticas und der Rapsodia sinfónica für Klavier und Orchester.
Kammer Musik
Turinas Kammer Musik besteht aus La Oración del torero ( Das Gebet des Stierkämpfers ), für Violinen Quartett oder Geigen Orchester, und zahlreichen Werken, die Loyalität zum Land und Inspirierungen in ihren Titeln ausdrücken. So zum Beispiel : Recuerdos de la antigua España ( Erinnerungen an das alte Spanien ) für Flöten Quartett, und einem Gitarren Quartett.
Klavier Musik
Ähnliche Grundgedanken lassen sich in Turinas Klavier-Musik, einem Schwerpunkt seiner kompositorischen Arbeit, wiederfinden. Seit der Suite, Sevilla, die ein frühes Element seiner Inspirierungen darstellt, bis zu der 1943 komponierten Por las calles de Sevilla ( Durch die Straßen von Sevilla ).
Vokal Musik
Lieder von Turina sind vor allem das interessante Poema en forma de canciones ( Gedicht in der Form von Liedern ), ein Zyklus von 5 Liedern mit den Texten von Campoamor.
Gitarren Musik
Turina schrieb für die Gitarre viele Stücke, die einen wichtigen Teil des Repertoires der spanischen Gitarren-Musik darstellen. Diese Kompositionen schließen Sevillana, Fandanguillo, Ráfaga, Sonata und Homenaje a Tárrega ein.
Heitor VILLA-LOBOS ( 1887-1959 )
brasilianischer Komponist, geboren : 5.3.1887 in Rio de Janeiro, gestorben 17.11.1959 in Rio de Janeiro
Villa-Lobos erhielt Cello-Unterricht, war aber im Übrigen weitgehend Autodidakt und beschäftigte sich intensiv mit der
Gitarrenimprovisation der Volksmusik. 1923 bis 1930 lebte er vor allem in Paris, 1932 wurde er Leiter des
Musikschulwesens in Rio de Janeiro, 1942 von ganz Brasilien. Im selben Jahr gründete er das Conservatorio Nacional
de Canto Orfeonico und 1945 die Academia Brasileira de Musica. In seinem umfangreichen, alle Gattungen
umfassenden Werk verbindet Villa-Lobos impressionistische und neoklassizistische Stilzüge mit Elementen der
Folklore. Er schrieb Opern ( Yerma, 1955, Uraufführung 1971 ), Operetten, Ballette ( Pedra Bonita 1933 ), zwölf
Sinfonien, sinfonische Dichtungen, Suiten ( Descobrimento do Brasil 1936 - 42 ), "Choros" ( 1920 - 29 ),
Bachianas brasileiras ( 1930 - 44 ), Kammermusik ( 17 Streichquartette ), Klaviermusik, Chorwerke und Lieder.
Luise WALKER ( 1910 - 1998 )

Luise Walker, in Wien am 9.9.1910 geboren, am 30.1.1998 gestorben, klassische Vertreterin des künstlerischen Gitarrespieles, begann das Studium dieser zarten Kunst als 8-jähriges Mädchen, als ihr Vater beschloss, dass seine auffallend musikalische kleine Tochter ein Instrument lernen sollte, das in den Ohren des Konzertpublikums nicht alltäglich klingen durfte. Man könnte fast behaupten, dass mit ihr gleichsam dieses frühere Volks- und höfische Instrument zum Konzertinstrument emporwuchs, besonders seitdem spanische Komponisten und Virtuosen in den 20er und 30er Jahren unseres Jahrhunderts den eigentlichen Konzertstil und die konzertante Technik für Gitarre geschaffen haben, sowie er heute in den Konzertsälen in Form von Solokonzerten mit Orchester, in kammermusikalischen Werken und in kleineren Sonaten und Konzertstücken erklingt.
Luise Walker besuchte die Musikhochschule in Wien, wo sie nicht bloß ihr Instrument, sondern auch die Musik als Wissenschaft und hohe Kunst schätzen lernte. Ihr Lehrer für Gitarre war Prof. Jakob Ortner. Ferner hielt der Kammervirtuose Heinrich Albert seine schützende Hand über ihr junges Talent. Miguel Llobet, der damals größte spanische Gitarrevirtuose, war häufig Gast im Hause ihrer Eltern. Er gab ihr mit seinem reinen Stilempfinden und großartigen Technik das Beste, um ihrer einzigartigen Musikalität zur Entwicklung zu verhelfen.
Als 14-jähriges Mädchen gab Luise Walker ihr erstes öffentliches Konzert. Bald erhielt sie Einladungen in fast alle Länder Europas und nach den USA. Ab 1940 war sie Professor an der Musikhochschule in Wien. In den Jahren davor hatte sie eine Privatschule für Gitarre gegründet. Unter ihren Schülern befanden sich viele Gitarrelehrer und ausübende Künstler. Luise Walker gab sowohl Studienwerke für Gitarre als auch zahlreiche konzertante Stücke heraus. Zum Nutzen des Anfängers, des ernsten Studenten als auch des ausübenden Künstlers, wobei sie sowohl in der Interpretation ihrer eigenen Kompositionen, als auch in ihrem gesamten Repertoire, einschließlich der Gitarre-Solokonzerte mit Orchester, die Technik als selbstverständliche Voraussetzung für die Entfaltung echter Empfindung und Musikalität anzusehen bestrebt war.
Ein Bericht von Luise Walker
Eine längere Korrespondenz zwischen meinem Vater und MIGUEL LLOBET bezüglich seiner Konzerte in Wien führte im Jahre 1922 endlich zu einem befriedigenden Vertragsabschluß mit einer Wiener Konzertdirektion. Die Freunde der Gitarre waren sehr glücklich, den berühmten spanischen Meister hier hören und begrüßen zu dürfen, denn er war es, der die neue TARREGAsche Technik hier bekannt machen, einen völligen Umschwung in der Entwicklung des Solospiels herbeiführen und eine neue Spieltechnik kreieren konnte.
Kurz vor dem Eintreffen Llobets in Wien klappte es nicht mit dem schon längere Zeit vorher reservierten Hotelzimmer, und da zur selben Zeit hier ein Kongress stattfand, war auch kein anderes entsprechendes, halbwegs zentral gelegenes Quartier aufzutreiben. Nähere Details sind mir nicht mehr erinnerlich. Ich weiß nur noch, dass deshalb unter den Gitarristen einige Aufregung herrschte. Auch der einberufene Ausschuss des neu gegründeten “Wiener Gitarre-Clubs" unter dem Vorsitz meines Vaters zeigte sich ratlos; denn auch meine Eltern konnten, so sehr sie dies gewünscht hätten, Llobet nicht beherbergen, da wir Verwandtenbesuch hatten. Die Blamage war perfekt. Endlich sprach mein damaliger Lehrer, Prof. JAKOB ORTNER, das erlösende Wort: "Leutl'n", sagte er, "der Llobet soll halt bei mir wohnen! ". Ortner, der Ur-Tiroler, mit dem interessanten schwarzgelockten Künstlerkopf, ein Bohemien wie er im Buche steht, bewohnte mit seiner Frau, ebenfalls aus Tirol und Liedsängerin zur Laute, ein großes Atelier in der Böcklinstraße. Es lag am Rande des Wiener Praters, also dort, wo - nicht nur wie bei ROBERT STOLZ - im Frühling die Bäume blüh'n; Kastanienbäume, mit hohen, weißen Kerzen, und damals war es auch gerade Frühling - Frühling in Wien!
Am Tage nach der Ankunft des spanischen
Meisters sagte Prof. Ortner während einer Gitarre-Stunde ( ich befand mich
damals in einer Art "Vorbereitungsklasse" an der Staatsakademie für
Musik ): "Luiserl, morgen kannst Du mit dem Papa zu mir kommen, den Llobet
begrüßen, am besten gleich nach dem Mittagessen!". Etwas Schöneres hatte
er mir nicht sagen können; es machte mich so verwirrt, dass ich kaum
weiterspielen konnte und mich erst beruhigen musste. Endlich war er da, der
Ersehnte, und ich - die kleine Schülerin - durfte ihn in der Nähe sehen und
mit ihm vielleicht auch sprechen. Ich konnte kaum einschlafen und hatte eine
unruhige Nacht.
Wie vereinbart, wanderte ich am nächsten Tag mit meinem Vater, der sich für diesen feierlichen Anlass extra freigenommen hatte, zu Ortner in die Böcklinstraße. Bevor wir noch das Atelier, also den eigentlichen Wohnraum betreten hatten, bemerkte ich schon vom Vorraum aus, drinnen in einer Ecke, ein schwarzes monströses Etwas. Bevor Prof. Ortner oder mein Vater mich zurückhalten konnten, war ich schon an ihnen vorbeigeschlichen, hinein zu dem mich geradezu magisch anziehenden Monster. Näher gekommen, erkannte ich einen schwarzen Herren-Regenschirm von beachtlicher Größe, der da aufgespannt lehnte und hinter dem ich - auf einem Sofa liegend - Meister Llobet erblickte, der mich aus verschlafenen Augen anblinzelte. Ich war hingerissen! So rasant in die Intimsphäre des Verehrten zu gelangen, hatte ich nicht erwartet. Ich knickste ehrerbietig, und auf mich prasselte ein Schwall französischer Worte, die ich nicht verstand. Wie es dann weiterging, kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Jedenfalls war mein Vater über diese skurrile Unterkunft alles andere denn erfreut. Wie er es dann doch noch zuwege brachte, ein komfortables Logis aufzutreiben, weiß ich nicht. Er muss gezaubert haben!
Mir, dem Kind, hat der große Regenschirm jedenfalls mächtig imponiert, denn so ein Ungetüm, aufgespannt vor einem Sofa, hatte ich noch nie gesehen. Die Erinnerung an den köstlichen Anblick des verschlafenen Meisters hinter dem Regenschirm entlockt mir noch heute ein Lächeln.